Was Europa von Portugal lernen kann
Portugal musste in der Finanz- und Schuldenkrise um seine wirtschaftliche Zukunft kämpfen. 2011 war das Land auf internationale Finanzhilfen angewiesen; das Hilfsprogramm lief bis 2014. Heute entstehen dort neue Arbeitsplätze, die Löhne steigen stärker als die Preise, und weniger Menschen sind von Armut bedroht.
Als Ministerpräsident Luís Montenegro am Dienstagmorgen im Europäischen Parlament sprach, konnte er auf Fortschritte verweisen, die Mut machen. Zurücklehnen wollte er sich deshalb keineswegs: Es bleibe viel zu tun.
Im zweiten Quartal 2026 wuchs Portugals Wirtschaft gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,5 Prozent. Das Land hat die Einkommensteuer gesenkt und erzielte 2025 zum dritten Mal in Folge einen Haushaltsüberschuss.
Portugal hat diesen Kurs als Mitglied der Europäischen Union eingeschlagen. Im Jahr des 40. Beitrittsjubiläums erinnerte Montenegro daran, wie viel sein Land Europa verdankt. Seine Rede richtete sich zugleich auf das, was Portugal heute zur gemeinsamen Zukunft beitragen kann. Manfred Weber griff diesen Gedanken auf: Europa könne viel von der portugiesischen Erfolgsgeschichte lernen.
Dazu gehört für Montenegro, neuen Ideen und Technologien bessere Chancen zu geben und sich von Regeln zu trennen, die unnötig bremsen. Er verlangte weniger Bürokratie und warb dafür, die Bankenunion zu vollenden. Beim nächsten europäischen Haushalt wollte er den Blick auf die gemeinsamen Aufgaben richten, statt die Verhandlungen auf einzelne nationale Forderungen zu verengen. Auch beim Wohnungsbau sprach er sich für einfachere Verfahren und bessere Finanzierungsmöglichkeiten aus.
Wie konkret Portugal europäische Solidarität lebt, zeigte seine Erinnerung an die Waldbrände des vergangenen Sommers. Obwohl das Land selbst mit Bränden kämpfte, halfen portugiesische Einsatzkräfte auch in Spanien und Frankreich.
Auch bei den Energiepreisen setzte Montenegro auf gemeinsame europäische Antworten. Kurz zuvor hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der Debatte zur Vorbereitung des Europäischen Rates beschrieben, wie stark hohe Energiekosten Unternehmen und private Haushalte belasten. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter drängte sie auf rasches Handeln.
Für Portugal gehört dazu seit Langem, die Energieverbindungen zwischen der Iberischen Halbinsel und dem übrigen Europa auszubauen. Dort erzeugter Strom soll leichter auch andere Länder erreichen können.
