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Vom Pitch zur Politik

Gut 500 junge Menschen aus ganz Europa haben in der vergangenen Woche bei der Youth Week der EVP-Fraktion eigene Kampagnen entwickelt. Zum Abschluss warben sie im Plenarsaal des Europäischen Parlaments um die Stimmen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit dabei war Theresia Brisch, die derzeit als Praktikantin mein Team unterstützt und auf Instagram in kleinen Videos von der Woche berichtet hat. Ihre Gruppe gewann den Wettbewerb mit einem Beitrag gegen Hate Speech.

Ihr Thema konnte aktueller kaum sein: Hassrede kann Menschen einschüchtern und aus öffentlichen Debatten verdrängen. Wer junge Menschen zur politischen Beteiligung ermutigen will, muss dafür sorgen, dass sie ihre Meinung äußern können, ohne beleidigt oder bedroht zu werden.

Wie Europa solches Engagement dauerhaft fördern kann, war in dieser Woche auch Gegenstand unserer Beratungen in Straßburg. Wir haben Bilanz über die bisherige EU-Jugendstrategie gezogen und über die Schwerpunkte für die Zeit nach ihrem Auslaufen 2027 abgestimmt.

Seit dem Start von Erasmus im Jahr 1987 haben rund 18 Millionen Menschen an dem Austauschprogramm teilgenommen. Bei DiscoverEU können sich 18-Jährige um eine kostenlose Fahrkarte für eine Zugreise durch Europa bewerben. Das Europäische Solidaritätskorps ermöglicht Einsätze in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten. Wer in Krakau studiert oder in Portugal bei einem Umweltprojekt mitarbeitet, kehrt mit neuen Erfahrungen, Freundschaften und häufig auch einem anderen Blick auf Europa zurück.

Junge Menschen sollen zudem politische Entscheidungen beeinflussen können. Im EU-Jugenddialog beraten sie aus allen Mitgliedstaaten über ihre Prioritäten. Daraus entstanden 2018 elf europäische Jugendziele, darunter psychische Gesundheit, gute Bildung, hochwertige Arbeitsplätze und bessere Chancen in ländlichen Regionen. Sie wurden anschließend in die geltende EU-Jugendstrategie aufgenommen.

Für die Zeit nach 2027 müssen wir den Zugang zu diesen Möglichkeiten verbessern. Auch mit finanzieller Förderung können Reise-, Miet- und Lebenshaltungskosten von einem Auslandsaufenthalt abschrecken. Die Zuschüsse müssen deshalb mit der tatsächlichen Kostenentwicklung Schritt halten. Verständliche Informationen und weniger Bürokratie erleichtern den Zugang für diejenigen, die auf dem Land leben, eine Behinderung haben oder bislang wenig Berührung mit europäischen Programmen hatten. Der angekündigte Jugendcheck soll darüber hinaus untersuchen, welche Folgen neue Vorhaben der Kommission für ihre Generation haben. Künftig muss nachvollziehbar sein, wie die Perspektive junger Menschen dabei berücksichtigt wurde.

Theresias Gruppe hatte wenige Minuten, um mit ihrer Idee zu überzeugen. Für die nächste EU-Jugendstrategie gilt ein anspruchsvollerer Maßstab: Sie muss weiteren jungen Menschen den Zugang zu europäischen Programmen eröffnen. Nach jeder Beteiligungsrunde sollte außerdem sichtbar werden, was aus ihren Vorschlägen geworden ist. Dann führt der Weg vom Pitch tatsächlich in die Politik.