Partner sein heißt nicht wegsehen
Tequila und Avocados gehören zu Mexiko wie Pasta zu Italien oder Käse zu Frankreich. Doch das Land exportiert längst weit mehr als seine bekanntesten Produkte.
Mexiko ist heute einer der wichtigsten Handelspartner Europas in Lateinamerika und gewinnt auch für Europas wirtschaftliche Unabhängigkeit zunehmend an Bedeutung.
Das modernisierte Partnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union und Mexiko soll den Handel erleichtern, unnötige Bürokratie abbauen und europäischen Unternehmen den Zugang zum mexikanischen Markt eröffnen. Davon profitieren große Unternehmen ebenso wie viele kleine und mittlere Betriebe. Gleichzeitig werden 568 europäische geografische Herkunftsbezeichnungen künftig auch in Mexiko geschützt – von regionalen Spezialitäten bis zu hochwertigen Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen. Das schafft neue Absatzchancen und schützt europäische Qualität vor Nachahmung.
Neue Handelsabkommen lösen gerade in der Landwirtschaft oft intensive Diskussionen aus. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen, welche Chancen sie eröffnen und welche Regeln dabei gelten. Das Abkommen bedeutet nicht, dass Europa seine Standards aufgibt. Vielmehr stärkt es den Schutz europäischer Qualitätsprodukte und schafft verlässlichere Rahmenbedingungen für Unternehmen, die auf beiden Seiten des Atlantiks investieren und handeln.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell internationale Handelsbeziehungen unter Druck geraten können – sei es durch geopolitische Krisen oder kurzfristige Zollentscheidungen. Umso wichtiger ist es, dass Europa seine Wirtschaftsbeziehungen breiter aufstellt und auf verlässliche Partner setzt. Mexiko ist dafür ein wichtiger Baustein. Als elftgrößter Handelspartner der Europäischen Union und mit einer engen politischen Zusammenarbeit bietet das Land die Chance, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und neue Märkte zu erschließen.
Partnerschaft heißt aber auch, schwierige Themen offen anzusprechen. Das Europäische Parlament verschweigt deshalb weder die hohe Gewaltkriminalität, das organisierte Verbrechen noch die erschreckend hohe Zahl verschwundener Menschen, Femizide oder Fragen der Rechtsstaatlichkeit. Das Abkommen ist kein Freibrief und kein Wegsehen. Eine engere Zusammenarbeit eröffnet vielmehr zusätzliche Möglichkeiten, diese Entwicklungen im politischen Dialog anzusprechen und Fortschritte einzufordern.
