Nächster Halt: bessere Verbindungen
Europa hat ein Faible für schnelle Züge. Frankreich seinen TGV, Deutschland den ICE, Italien den Frecciarossa. Mit 300 Kilometern pro Stunde rücken Städte und Länder näher zusammen.
Das Europäische Parlament hat in dieser Woche gefordert, diese nationalen Netze besser miteinander zu verbinden.
Die Europäische Kommission will mit einem Plan für ein besser verbundenes Schnellbahnnetz bis 2040 die Hindernisse im grenzüberschreitenden Bahnverkehr angehen. Unterschiedliche Signal- und Sicherungssysteme, fehlende Streckenabschnitte und nationale Planungen bremsen das Zusammenwachsen bislang. Gemeinsame technische Standards und der Ausbau grenzüberschreitender Strecken sollen helfen, diese Lücken zu schließen.
Doch wie weit reichen die Vorteile über die großen Metropolen hinaus? Das Parlament fordert, auch mittelgroße Städte und Regionen besser einzubinden. Kürzere Reisezeiten zwischen den großen Bahnhöfen allein reichen dafür nicht aus.
Wer in einer ländlichen Region lebt, muss auch den Bahnhof mit Anschluss an die schnellen Züge verlässlich erreichen können, damit der Zeitgewinn auf der langen Strecke nicht schon bei der Anreise verloren geht. Deshalb müssen beim Ausbau des Schnellbahnnetzes die regionalen Anschlüsse von Anfang an berücksichtigt werden. Damit sie funktionieren, braucht es die Abstimmung mit den Infrastrukturbetreibern, Verkehrsunternehmen und regionalen Aufgabenträgern.
Die EVP unterstützt außerdem einen Bahnmarkt, der neuen Anbietern offensteht. Unternehmen müssen vorhandene Strecken und Einrichtungen wie Wartungswerkstätten zu fairen Bedingungen nutzen können. Wenn gemeinsame technische Standards zugleich den Einsatz ihrer Züge in mehreren Ländern erleichtern, kann das zusätzliche internationale Verbindungen ermöglichen.
Damit ist noch keine neue Strecke bewilligt. Das Parlament zeigt, wo europäische Zusammenarbeit den Ausbau voranbringen soll. Dazu gehört für mich auch, vorhandene Strecken besser zu nutzen und Engpässe zu beseitigen.
Entscheidend wird sein, ob die Mitgliedstaaten ihre Vorhaben verbindlich aufeinander abstimmen. Wird eine Strecke bis zur Grenze ausgebaut, während das Anschlussstück im Nachbarland erst Jahre später fertig wird, bleibt ihr Nutzen lange hinter den Möglichkeiten zurück. Solche Lücken zu schließen, ist eine europäische Aufgabe.
