Montenegro: Auf der Zielgeraden nach Europa
Dramatische Berglandschaften, UNESCO-Altstädte und eine tiefblaue Adriaküste. Wer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, in Montenegro Urlaub zu machen, wird vermutlich eines dieser Bilder vor Augen haben.
Weniger bekannt ist, dass das kleine Land an der Adria auch auf einem anderen Weg erstaunlich weit gekommen ist: dem Weg in die Europäische Union.
Was das konkret bedeutet, lässt sich an einer Zahl ablesen. Wer Mitglied der EU werden möchte, muss sich durch 33 sogenannte Verhandlungskapitel arbeiten, gewissermaßen ein Prüfungsparcours, hinter dem sich nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens verbergen: von Justiz und Korruptionsbekämpfung über Umwelt- und Verbraucherschutz bis hin zu Wirtschaft, Medienfreiheit und Außenpolitik.
Montenegro hat inzwischen alle 33 Kapitel eröffnet. 14 davon wurden bereits vorläufig abgeschlossen. Kein anderer Beitrittskandidat ist derzeit weiter. Die Arbeiten am Beitrittsvertrag haben bereits begonnen, und die Regierung in Podgorica möchte die Verhandlungen bis Ende 2026 abschließen.
Wer nun glaubt, der Rest sei Formsache, unterschätzt die letzten Kilometer dieses Weges.
Gerade jetzt wird besonders genau hingeschaut. Funktionieren die staatlichen Institutionen? Werden Korruptionsfälle konsequent verfolgt? Ist die Justiz unabhängig? Werden Reformen nicht nur beschlossen, sondern auch umgesetzt? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden darüber, wie schnell Montenegro seinem Ziel näherkommt.
Das Europäische Parlament befasst sich in dieser Woche mit dem Fortschritt des Landes. Dabei geht es nicht nur um Montenegro selbst. Die Debatte berührt auch eine größere Frage: Kann die Europäische Union neue Mitglieder aufnehmen und gleichzeitig ihre gemeinsamen Standards sichern?
Vieles spricht derzeit für Montenegro. Rund drei Viertel der Bevölkerung unterstützen den europäischen Weg ihres Landes. Reformen werden weiter vorangebracht, und die politische Zielrichtung ist klar.
Ob Montenegro tatsächlich das nächste Mitglied der Europäischen Union wird, entscheidet sich noch nicht in dieser Woche. Doch auf dem Westbalkan gibt es derzeit kein Land, das diesem Ziel näher ist.
