Kolumne von Sabine Verheyen
Liebe Leserinnen und Leser,
im Europäischen Parlament wurde in der vergangenen Woche darüber abgestimmt, dass Begriffe wie Schnitzel, Steak oder Burger künftig nur noch für Fleischprodukte verwendet werden dürfen – der Vorschlag wurde angenommen. Ich habe, wie übrigens auch ein Großteil der CDU/CSU-Gruppe, dagegen gestimmt – aus demselben Grund, der viele Bürgerinnen und Bürger ratlos, manche sogar fassungslos zurückgelassen hat.
Zu Recht. Denn angesichts der enormen Herausforderungen, vor denen Europa steht – vom Krieg in der Ukraine über steigende Preise und den Verlust von Arbeitsplätzen bis hin zur Frage, wie wir unsere Ernährung künftig sichern – wirkt diese Debatte schlicht deplatziert.
Wer glaubt, damit Verwirrung zu verhindern, unterschätzt die Verbraucherinnen und Verbraucher. Niemand hält einen Veggie-Burger für Rindfleisch – und jeder weiß, dass Fleischkäse auch kein Käse ist. Diese Diskussion ist weltfremd.
Natürlich ist Transparenz wichtig. Wer ein Produkt kauft, muss klar erkennen können, was drinsteckt. Aber dafür gibt es längst eindeutige Kennzeichnungsvorschriften. Der Markt hat längst Antworten gefunden, ganz ohne neue Regeln: Verpackungen und Zutatenlisten lassen keinen Zweifel, ob ein Produkt aus Fleisch, Soja oder Linsen besteht. Begriffe wie »Tofu-Wurst« oder »Linsen-Frikadelle« haben sich etabliert und sind im Alltag der Menschen angekommen.
Die eigentliche Aufgabe der Politik ist es, die Landwirtschaft zu stärken, Versorgungssicherheit zu garantieren und die Innovationskraft unserer Ernährungswirtschaft zu fördern – nicht, fantasievolle Namen zu regulieren. Wenn wir anfangen, uns mit spitzfindigen Vorschriften und Sprachregelungen zu beschäftigen, schaffen wir nur neue Bürokratie – ohne echten Mehrwert für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Wir sollten hier die Kirche im Dorf lassen. Viele Menschen fragen sich zu Recht, ob Europa in diesen Zeiten keine dringenderen Aufgaben hat. Ich finde: Doch – und genau darum ging es mir bei meiner Entscheidung. Wir brauchen Klarheit und Fairness, ja. Aber vor allem brauchen wir gesunden Menschenverstand. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten von Europa Antworten auf die großen Fragen – nicht darauf, ob ein Veggie-Burger noch Burger heißen darf.
Ihre Europaabgeordnete
Sabine Verheyen
Die Kolumne wurde im Wochenspiegel veröffentlicht.
