Die Unbequemen
Mehr als 30 Anträge auf Zugang zu Informationen stellte das Rechercheteam. Giacomo Zandonini und Maite Vermeulen werteten Dokumente aus und führten Gespräche in Italien und Albanien. Ein Jahr lang gingen sie dem italienisch-albanischen Migrationsabkommen nach. Viele ihrer Anfragen wurden abgelehnt oder blieben unbeantwortet. Sie recherchierten hartnäckig weiter.
Nach der Würdigung europäischer Forschung stand in dieser Woche damit eine zweite Preisverleihung im Zeichen des genauen Hinsehens: Für ihren auf der niederländischen Plattform „De Correspondent“ veröffentlichten Beitrag erhielt das Team den Daphne-Caruana-Galizia-Preis für Journalismus. Die unabhängige Jury zeichnete damit auch die Beiträge von Bildredakteurin Bebe Blanco Agterberg, Informationsdesignerin Sharon Coone und Fotograf Francesco Bellina aus.
Im Mittelpunkt ihrer Recherche stand das Abkommen, auf dessen Grundlage Italien Einrichtungen für Asylverfahren und Abschiebehaft auf albanischem Gebiet errichtete. Das Team rekonstruierte Ausgaben, untersuchte rechtliche Fragen und ging den Bedingungen für die dort festgehaltenen Menschen nach. Dabei stieß es immer wieder auf Hindernisse beim Zugang zu Informationen. Aus Dokumenten und Gesprächen entstand dennoch ein detailliertes Bild der Umsetzung und ihrer Folgen für die Betroffenen.
Welche Ziele eine Regierung verfolgt, erklärt sie selbst. Wie sie diese umsetzt, welche Kosten entstehen und ob die Rechte der Betroffenen gewahrt bleiben, müssen Journalisten unabhängig überprüfen können. Dafür brauchen sie Zugang zu Unterlagen und die Möglichkeit, mit den Menschen zu sprechen, deren Leben von diesen Entscheidungen betroffen ist.
Der Name des Preises erinnert an die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia. Sie deckte Korruption und Machtmissbrauch auf, bevor sie am 16. Oktober 2017 ermordet wurde. Neun Jahre später würdigt die Auszeichnung diejenigen, die diese journalistische Verantwortung heute übernehmen.
Ich gratuliere dem gesamten Team herzlich zur Auszeichnung. Seine Hartnäckigkeit ist ein Vorbild für Journalismus, der sich mit unbeantworteten Fragen nicht abfindet. Eine freie Presse braucht den Rückhalt der Politik und die Freiheit, ihr auf die Finger zu schauen.
