AgoraEU: Neues Dach ja. Aber bitte nicht alles neu sortieren.
Was haben ein Filmfestival, ein Faktencheck und eine Städtepartnerschaft gemeinsam?
Auf den ersten Blick vermutlich nicht viel. Dass sie künftig Teil desselben europäischen Förderprogramms sein sollen, wirkt zunächst ungewöhnlich. Genau darin liegt jedoch die Idee von AgoraEU.
Mit AgoraEU plant die Europäische Union ein neues Programm, das die bisherigen Förderinitiativen Creative Europe und CERV unter einem gemeinsamen Dach zusammenführen und zugleich stärker ausstatten soll. Ab 2028 sollen damit Kulturprojekte, Medienförderung und Maßnahmen zur Stärkung demokratischer Teilhabe weiterentwickelt werden.
AgoraEU soll künftig drei Bereiche bündeln: die Förderung von Kultur und Kreativität, die Unterstützung der Medien- und audiovisuellen Branche sowie Programme für Demokratie, Bürgerbeteiligung und Grundrechte.
Creative Europe und CERV haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte ermöglicht. Gleichzeitig zeigt die hohe Nachfrage nach Fördermitteln, dass der Bedarf vieler Kulturschaffender, Medienprojekte und zivilgesellschaftlicher Initiativen deutlich größer ist als die derzeit verfügbaren Mittel. Ein ambitioniertes Nachfolgeprogramm mit einer stärkeren finanziellen Ausstattung ist deshalb der richtige Weg.
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch woanders. Unter dem neuen Dach sollen Programme zusammengeführt werden, die bislang eigenständig funktioniert haben.
In den laufenden Verhandlungen setze ich mich deshalb dafür ein, auf Bewährtem aufzubauen. Kulturförderung, audiovisuelle Produktionen, unabhängige Medien und Demokratieprojekte verfolgen unterschiedliche Ziele. Gerade deshalb sollte auch unter dem neuen Dach sichtbar bleiben, was Creative Europe und CERV erfolgreich gemacht hat.
Neues Dach ja. Aber bitte nicht alles neu sortieren.
Besonders wichtig ist mir dabei ein starker Medienbereich. Freier Journalismus, Medienvielfalt und der Kampf gegen Desinformation verdienen einen festen Platz im neuen Programm. Dazu gehört aus meiner Sicht ausdrücklich auch die Förderung von Fact-Checking-Initiativen. Gleichzeitig halte ich es für sinnvoll, den Medienbereich als eigenständige Säule sichtbar zu erhalten, statt bewährte Strukturen unnötig neu zu ordnen.
Gleichzeitig muss AgoraEU flexibel genug bleiben, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Die Herausforderungen der kommenden Jahre kennen wir heute noch nicht vollständig. Deshalb braucht das Programm Spielraum für künftige Anpassungen, ohne seine grundlegende Ausrichtung ständig neu zu definieren.
Kultur wird in politischen Debatten manchmal noch immer als „Nice to have“ behandelt. Tatsächlich geht es um einen Bereich, der Millionen Menschen beschäftigt und zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen Europas zählt. Zugleich stärken unabhängige Medien, kulturelle Vielfalt und bürgerschaftliches Engagement den demokratischen Zusammenhalt und prägen das Verständnis einer gemeinsamen europäischen Identität.
