Wie eine Eilendorferin das große Schiff “Europa” mitlenkt

01.11.2015, Super Sonntag. „Das große Thema Europa findet nicht nur im Parlament in Brüssel und Straßburg statt. Das, was im Europäischen Parlament beschlossen wird, betrifft letzten Endes auch jeden einzelnen Bürger in Deutschland, in NRW, in der Region und natürlich auch in Aachen”, erklärt Sabine Verheyen in ihrem Büro in Straßburg, während sie mit ihren Assistentinnen Katharina Radloff und Daniela Gebauer die letzten Dokumente für den Redebeitrag im Parlament vorbereitet. Großer Luxus ist in den Büros für die Abgeordneten allerdings nicht zu finden. Auf wenigen Quadratmetern sind die wichtigsten Unterlagen, Dokumente und natürlich auch Erinnerungen an ihre Heimat Aachen zu finden.

Meister des Multitaskings

Aus einem kleinen Fernseher in ihrem Büroregal sind leise Geräusche zu vernehmen – ein Redebeitrag ihres französischen Amtskollegen, der sich gerade im Plenum, das heißt in dem großen Parlamentsraum, befindet. Die Europaabgeordneten sind Meister des Multitaskings – viele Aufgaben müssen gleichzeitig erledigt werden. „Wenn ich nicht in Brüssel oder Straßburg bin, bin ich in Aachen und quer durch Deutschland unterwegs. Wir als Europaabgeordnete haben eigentlich nie frei. Selbst an den Wochenenden nehmen wir repräsentative Aufgaben wahr. Das gehört zum Job. Wer da nicht mit Spaß und Leidenschaft dabei ist, für den ist dieser Beruf nichts. Für mich gibt es keinen schöneren Beruf”, erklärt Verheyen mit einem Lächeln. Stress gehört zu diesem Jobbild natürlich dazu. Eine Wochenarbeitszeit von 80 oder 90 Stunden ist keine Seltenheit. „Wer für die Menschen in seiner Region etwas auf europäischer Ebene erreichen möchte, nimmt diese Zeiten in Kauf. Ich bin Europäerin und gleichzeitig Eilendorferin – ich setze mich täglich gerne für die Menschen von Aachen bis nach Heinsberg ein.”

Und dieser Einsatz kennt keine Wochentage. „Meine Arbeitstage beginnen schon vor dem Frühstück, wenn ich meine Mails zum ersten Mal am Tag checke. Und auch beim Frühstück wird schon gearbeitet. Oft sitze ich mit Kollegen zusammen und wir besprechen die ersten wichtigen Themen. Schlag auf Schlag geht es dann weiter. Termine, Plenarsitzungen, Anrufe, Mails und immer das aktuelle Zeitgeschehen mit einem Auge in Nachrichten oder dem Fernsehen verfolgen”, sagt Verheyen und eilt zu einer wichtigen Plenarabstimmung, die in wenigen Minuten beginnt. „Heute geht es um die Abschaffung der Roaming-Gebühren in Europa – das wäre ein wichtiger Erfolg und hätte weitreichende positive Folgen für Tausende Menschen in Europa”, ruft sie kurz zu, bevor sie im Plenarsaal verschwindet.

Alle Abgeordneten sind zu dieser Abstimmung zusammengekommen. Innerhalb weniger Sekunden ist die Abstimmung auch schon beendet. Fazit: Die Roaming-Gebühren sind abgeschafft. Mit freudiger Miene und voller Zuversicht kehren Sabine Verheyen und ihre Kollegen aus dem Plenarsaal zurück. „Wir haben es geschafft. Ab 2016 werden die Roaming-Gebühren gesenkt, und 2017 abgeschafft. Bald braucht niemand, der sich in Vaalserquartier aufhält, plötzlich niederländisches Netz hat und einen Anruf absetzt, Angst vor überteuerten Preisen zu haben”, erklärt Verheyen. Für Anrufe, SMS und die Nutzung von mobilen Daten im EU-Ausland fallen dann keine zusätzlichen Kosten mehr an. Reisende innerhalb der EU zahlen somit immer den gleichen Preis, egal ob sie ihr Mobiltelefon im Heimatland oder in anderen EU-Staaten nutzen.

Verheyen ist in der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP, Christdemokraten) und Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung sowie unter anderem in der Delegation für die Beziehungen zu Südafrika. Als Stellvertreterin ist sie im Ausschuss für Binnenmarkt.

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