Der Frieden in Europa ist ein zerbrechliches Gut

14.06.2018, Aachener Nachrichten. Eschweiler. Die Liste der Probleme Europas ist (mindestens) lang und wirkt inzwischen unüberschaubar. Daraus machte Sabine Verheyen während ihres Vortrags „Außen- und Sicherheitspolitik aus Sicht der Europäischen Union“ im Rahmen des Donnerberger Gesprächskreises, der am Donnerstagabend in Kooperation mit dem Europaverein „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) im Offizierheim der Donnerberg-Kaserne vor zahlreichen Gästen stattfand, keinen Hehl:

Zerfallende Staaten in unmittelbarer Nähe Europas und der EU, die daraus folgende Flüchtlingskrise, der internationale Terrorismus, die immer größer werdenden Differenzen im Verhältnis zur USA, die schlechten Beziehungen zu Russland, die Unzufriedenheit vieler Menschen in Europa, der steigende Nationalismus, der sich im „um sich greifenden Nationalpopulismus“ äußere und, und, und. „Ist Europa bereit, als globaler Akteur auch globale Verantwortung zu übernehmen?“, lautete die Frage, mit der die Abgeordnete des Europäischen Parlaments ihren Vortrag begann.

Der ursprüngliche Gedanke, „der Kern der EU seit Jean Monet und Robert Schuman“, sei nach den Erfahrungen zweier Weltkriege die Friedenssicherung in Europa und daraus resultierende Sicherheit und Freiheit sowie Wohlstand gewesen. „Konflikte wurden am Verhandlungstisch beigelegt und die Trennung von Ost und West konnte überwunden werden“, blickte die Christdemokratin zurück.

Doch der Frieden sei auch in Europa ein zerbrechliches Gut, wie Ereignisse in Jugoslawien, dem Kosovo und der Ukraine gezeigt hätten. „In diesen kritischen Zeiten müssen wir den Frieden mehr schützen denn je“, so Sabine Verheyen.

„Gemeinsamkeiten stärken“

Um dies in die Tat umsetzen zu können, sei eine ehrgeizige Außen- und Sicherheitspolitik notwendig. „Wir Europäer müssen unsere Gemeinsamkeiten stärken, um als Akteur weltweit überhaupt wahrgenommen zu werden“, unterstrich die Aachenerin. Im Vergleich zu nahezu 1,5 Milliarden Chinesen und etwa 1,3 Milliarden Indern könnten die 500 Millionen Europäer nur bestehen, wenn sie an einem Strang zögen. Dies heiße jedoch gerade nicht, dass innerhalb der EU alle Entscheidungen stets einstimmig erfolgen müssten.

„Um schneller und konsequenter handeln zu können, sollten in mancher Hinsicht auch einfache Mehrheiten reichen“, hält Sabine Verheyen ein Umdenken in Sachen EU-Außenpolitik für notwendig. Auch die wachsenden Diskrepanzen zwischen den ost- und westeuropäischen Staaten gelte es, im Auge zu behalten. „Ich bin der Auffassung, dass es richtig und wichtig ist, Osteuropa Aufmerksamkeit zu schenken.“

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