Wir brauchen mehr Europa in Schulen!

Europa wird derzeit mit großen Herausforderungen konfrontiert. In den Medienberichten und in unserer Wahrnehmung dominieren die negativen Nachrichten. Es wird immer nur von Krisen gesprochen, sei es in Bezug auf die Terrorismusbedrohung, die Flüchtlingskrise, die Euro- und Finanzkrise, oder die Zunahme rechtspopulistischer Gruppierungen in Europa. Dabei werden die EU und die gemeinsamen Werte der Union immer wieder in Frage gestellt. Ich halte es daher für dringlicher denn je, den Dialog über die EU an unseren Schulen und in unseren Verbänden zu stärken. Nur im Gespräch, nur im Austausch über europäische Themen, kann das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in unsere Gemeinschaft wiederhergestellt und das Verdienst des europäischen Einigungsprozesses wieder für alle ersichtlich werden.

Die Auswirkungen der europäischen Gesetzgebung, auch auf unser tägliches Leben, sind groß. Dennoch verstehen viele Europäer nur bedingt die Funktionsweise der EU. Gemäß einer Studie gaben 44 % der Befragten an, nicht zu wissen, wie diese funktioniere. Viele Bürgerinnen und Bürger haben das Gefühl, ihre Stimme werde in der EU nicht gehört. So scheint es auch nicht verwunderlich, dass sich die Bürgerinnen und Bürger dem europäischen Projekt nicht verbunden fühlen. Abhilfe kann hier jedoch geschaffen werden, wenn sie besser informiert sind und ermutigt werden, sich aktiv an der Idee der europäischen Einigung zu beteiligen. Wichtig ist hierfür in meinen Augen die Stärkung einer EU-Dimension in der schulischen Bildung. Dafür hat sich das Europäische Parlament erst kürzlich in einem Bericht zum Erwerb von Kenntnissen über die EU an Schulen ausgesprochen. Eine europäische Dimension im Bildungswesen kann ein gestärktes Bewusstsein für die Vorteile der EU-Politik schaffen und dazu beitragen, dass sich ein Zugehörigkeitsgefühl zur EU ausbildet. Wie auch im Bericht betont wird, sehe ich es hier als elementar an, dass einerseits Wissen über die EU und ihre Funktionsweise vermittelt, und andererseits die grundlegenden Werte der EU den Schülerinnen und Schülern wieder nähergebracht werden.

Die Rollenspiele des Europäischen Jugendparlaments stellen beispielsweise eine großartige Möglichkeit dar, damit junge Menschen die europäischen Prozesse verstehen und für EU-Themen sensibilisiert werden. Gleichzeitig wird die Entwicklung einer europäischen Identität gefördert. Umso mehr freut es mich, dass die Parlamentssimulation auch in Aachen am Paul-Julius-Reuter Berufskolleg als Teil des Rahmenprogramms zum Karlspreis veranstaltet wird. Politik und Demokratie in Europa werden so für junge Menschen erfahrbar.

Die europäischen Ideale und Werte können jungen Menschen besonders gut anhand historischer Ereignisse nähergebracht werden. Ein europäischer Ansatz im Geschichtsunterricht an Schulen stellt in meinen Augen hierfür ein großes Potenzial dar. Es ist wichtig, jungen Menschen zu vermitteln, dass die EU nicht nur ein reiner Wirtschaftsraum, sondern auch eine Friedens- und Wertegemeinschaft ist. Denn es sind unsere gemeinsamen Werte, die uns über Grenzen hinweg in Europa verbinden. Und sie sind grundlegende Voraussetzung für ein gegenseitiges Verständnis, ein friedliches Miteinander, Toleranz und Solidarität. Gerade in der heutigen Zeit ist das Bewusstsein für unsere gemeinsamen Werte von großer Bedeutung, um den Zusammenhalt in unserer Europäischen Gemeinschaft wieder zu stärken und den europäischen Gedanken weiterzutragen.