Neue europäische Agenda für Kultur

Europa steht vor vielfältigen Herausforderungen wie wachsende soziale Ungleichheit, zunehmend nationalistische Tendenzen, Radikalisierung und Sicherheitsbedrohungen, die die Grundpfeiler der Europäischen Gemeinschaft erschüttern und die Solidarität zwischen den EU-Mitgliedstaaten in Frage stellen.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger, unsere Verbindungen in Europa zu stärken und uns auf unsere Gemeinsamkeiten zu besinnen. Kultur muss hier eine zentrale Rolle spielen. Denn Kultur schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl, fördert bürgerschaftliches Engagement sowie unsere Grundwerte und unsere Identität. Der europäische Kreativ- und Kultursektor ist eine besonders starke Branche. Diese steht für 4,2 % des BIP der EU, schafft 8,4 Millionen Arbeitsplätze und ist auch in Zeiten der Krise wirtschaftlich widerstandsfähig. Tatsächlich ist die Kultur- und Kreativbranche nach dem Baugewerbe sowie dem Nahrungsmittel- und Getränkebereich der drittgrößte Arbeitgeber in der EU. Kultur ist aber auch Ausdruck unserer Grundwerte. Zudem geht es bei Kultur nicht nur um soziale und wirtschaftliche Faktoren, sondern Kultur in sich ist auch ein Ziel. Die derzeit beispiellose Dynamik auf EU-Ebene für den Schutz und die Förderung der Kultur, wie sie in der Erklärung von Rom und auf dem Göteborger Gipfel zum Ausdruck kommt, bietet in Verbindung mit dem Jahr 2018, dem Jahr des Kulturerbes, eine einzigartige Gelegenheit, eine kohärente, umfassende und nachhaltige EU-Kulturpolitik zu gestalten. Diese Gelegenheit dürfen wir nicht versäumen, wenn wir wirklich „in Vielfalt geeint“ bleiben wollen. Im EU-Parlament haben wir im Dezember-Plenum nun einen Initiativbericht zur neuen europäischen Agenda für Kultur angenommen. Ziel des Berichts besteht darin, Beiträge für die Gestaltung der kulturpolitischen Maßnahmen und die Beurteilung der Ergebnisse der letzten Agenda zu liefern. Zudem soll damit auch für ein Gleichgewicht zwischen der Sozial-, Wirtschafts- und Kulturpolitik gesorgt werden und dafür, dass die neue Agenda und andere Programme, wie „Kreatives Europa“ und „Europa für Bürgerinnen und Bürger“, miteinander in Einklang stehen.