Mustang mit dem LUX-Filmpreis 2015 ausgezeichnet

24.11.2015. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben in ihrer heutigen Plenarsitzung in Straßburg den diesjährigen Gewinner des Lux-Preises gekürt: Das Regiedebüt “Mustang” der türkischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven wurde mit der begehrten Trophäe ausgezeichnet, die jedes Jahr vom Europäischen Parlament verliehen wird.

Die deutsche Ko-Produktion “Mustang” erzählt die Geschichte des Mädchens Lale und ihrer vier Schwestern, die in ihrem Heimatdorf in der Türkei entgegen aller Widerstände für ihre Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben kämpfen. Die Mädchen toben unschuldig mit Jungen aus ihrem Dorf am Strand – und lösen damit einen Skandal aus, den sie selbst am wenigsten begreifen. Ihr eigenes Haus wird für sie zum Gefängnis. Hinter vergitterten Fenstern werden sie zu Ehe- und Hausfrauen ausgebildet und schließlich zwangsverheiratet. Ihren Freiheitsdrang, ihren Mut zum Widerstand, genährt von der Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben, kann ihnen all das aber nicht nehmen.

Trotz des ernsten Themas fehlt es dem Film nicht an gelegentlicher Komik und Wärme. Ich bin beeindruckt von dem Mut und der Entschlossenheit dieser Mädchen und der Regisseurin, die ein Thema, welches in ihrer Heimat häufig noch totgeschwiegen wird, mit klarer Botschaft adressiert. Die Regisseurin wollte die Protagonisten als Heldinnen zeigen – und das ist ihr gelungen. Ein Film über das Ende der Kindheit, und um den Kampf nach Freiheit und für Gerechtigkeit.

Der LUX-Filmpreis ist der Filmpreis des Europäischen Parlaments und wird seit 2007 jährlich an einen besonderen europäischen Film vergeben. Damit soll einerseits die öffentliche Debatte über die Europäische Union und ihre Politik angeregt werden, denn der LUX-Preis bietet die Chance, wichtige europäische Politikbereiche wie Einwanderung, Integration, Armut, Meinungsfreiheit und Frauenrechte zu thematisieren. Zum anderen handelt es sich um ein einzigartiges Instrument, in dessen Rahmen Filmschaffende ihre Werke in einer Vielzahl von Ländern vorstellen können.

Der diesjährige Preisträger konnte sich im Finale gegen die Filme Urok (The Lesson), der das Abgleiten einer moralisch Integren Person in zweifelhafte Geschäfte beschreibt, und Mediterranea, einen Film über das Schicksal einer Flucht über das Mittelmeer, durchsetzen. Die drei Finalfilme werden in den 24 Amtssprachen der EU untertitelt, mit speziellen Fassungen für Hörgeschädigte und Sehbehinderte versehen und für alle Mitgliedstaaten als Kinopaket (DCP) produziert.