Jugendarbeitslosigkeit ist immer noch ein drängendes Thema!

Es ist noch nicht lange her, da war Jugendarbeitslosigkeit ein dominierendes Thema sowohl in den Medien, als auch in der politischen Debatte auf europäischer Ebene. Mittlerweile ist es verdächtig still geworden um Europas Jugend. Doch was ist seither passiert? Überschattet von großen Themen wie Flüchtlingen und Terrorismus hat sich das mediale Interesse verschoben. Doch die Krise ist längst nicht überwunden – Jugendarbeitslosigkeit ist nach wie vor das drängende Thema unserer jungen Generation in Europa. Sie beträgt im EU-Durchschnitt knapp 20 Prozent und Länder wie Spanien und Griechenland sind mit einer Quote von über 42 Prozent besonders hart betroffen. Die günstige Lage in Deutschland, mit einer Jugendarbeitslosigkeit von unter sieben Prozent, darf unseren Blick auf die aktuellen Probleme junger Menschen in Europa nicht verzerren. Denn die Lage ist ernst und die Probleme sind vielfältig: prekäre Arbeitsverhältnisse, geringe Löhne, hohe Mieten in den großen Städten. Viele junge Menschen fühlen sich im Stich gelassen, sie sind frustriert, sehen keine Perspektive und wenden sich ab. Eine verlorene Generation – können wir uns das in Europa leisten?

Wir können und wollen es nicht. Europas Zukunft liegt in den Händen dieser jungen Menschen, die unsere volle Aufmerksamkeit verdienen. Diese Generation ist aufgewachsen in einem friedlichen, demokratischen und freien Europa. Für sie bedeutet Europa offene Grenzen, Reisefreiheit, Austausch. Sie sind gut ausgebildet, über Grenzen hinweg vernetzt und sie sind Digitale Natives. Sie haben also eigentlich alles was es braucht, um als überzeugter Europäer dieses einzigartige Friedensprojekt fortzuführen und auszubauen. Lassen wir sie im Stich, ist auch Europas Schicksal ungewiss.

Denn wozu es führt, wenn breite Teile einer Generation in Perspektivlosigkeit und Frust verfallen, zeigt bereits heute der europaweit steigende Zuspruch für rechte Parteien. Wollen wir das Haus Europa weiterbauen und auf ein sicheres Fundament stellen, dann ist es höchste Zeit, Europas Jugend mitzunehmen.

Was können wir tun? Die EU-Jugendgarantie ist ein erster wichtiger Schritt. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, die Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu bekämpfen und strebt an, dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, ein konkretes und hochwertiges Angebot erhalten. Das kann ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle sein. Seit 2014 haben etwa neun Millionen junge Menschen in Europa ein Job- oder Bildungsangebot im Rahmen der Jugendgarantie angenommen – eine durchaus positive Bilanz. Damit die Jugendgarantie vollends umgesetzt werden kann, müssen die Staatshaushalte die Jugendbeschäftigung allerdings stärker berücksichtigen.

Darüber hinaus ist die Förderung des Dialogs und Austauschs ein wichtiges Instrument, um Jugendliche für Europa zu begeistern. Die Idee, jungen Europäern zum 18. Geburtstag einen Interrail-Gutschein zur Verfügung zu stellen, halte ich für durchaus sinnvoll. Ein gut durchdachtes Mobilitätskonzept speziell für junge Menschen kann dazu beitragen, in Europa Gelegenheiten des gegenseitigen Kennenlernens zu schaffen und eine europäische Identitätsbildung zu fördern. Und eine solche Förderung kann bereits bestehende Europäische Förderprogramme wie Erasmus ergänzen. Jugendliche, die von den bisherigen Bildungsprogrammen der EU nicht erfasst werden, können gezielter erreicht werden. Eines ist klar: Hierfür bedarf es dem Einsatz aller Mitgliedstaaten für die europäische Idee.

Es ist höchste Zeit, das Potenzial Europas Jugend zu erkennen und zu nutzen. Für sie ist Europa geprägt vom grenzüberschreitendem Austausch, vom Aufeinander zugehen – ein vielfältiger Kontinent, lauter und bunter denn je. Dieses intuitive und natürliche Verständnis von Europa kann gerade in Krisenzeiten unheimlich wertvoll sein, um das Haus Europa gemeinsam weiterzubauen und es mit Leben und frischen Ideen zu füllen.