Frieden und Freiheit sind nicht selbstverständlich

Ein ereignisreiches und nicht einfaches Jahr liegt hinter uns. Wenn wir zurückblicken, sind es vor allem Themen wie die Schuldenkrise in Griechenland, die europäische Flüchtlingspolitik und die Terroranschläge von Paris, die uns bewegt haben und beschäftigen.

Das Jahr hat uns gezeigt, wie wertvoll und zerbrechlich der Frieden auf unserer Erde ist. Krieg und Terror an vielen Orten dieser Welt lassen Millionen von Menschen zu Flüchtlingen werden. Sie verlassen ihre Heimat, nehmen einen gefährlichen und ungewissen Weg auf sich, um bei uns, in Europa, Schutz zu finden. Fast 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Wir leben in einer Welt, in der nach wie vor Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Religion, politischen Überzeugung und sexuellen Orientierung verfolgt werden. Auch wenn vieles von dem, zumindest auf den ersten Blick, weit entfernt von uns in Europa geschieht, müssen wir uns eingestehen, dass es uns alle angeht, was in Regionen wie Syrien, Afghanistan und Eritrea geschieht. Das Schicksal der Menschen können wir nicht ignorieren. Es bewegt und betrifft uns konkret – das haben die Flüchtlingsbewegungen der vergangenen Monate unmissverständlich gezeigt.

Und sie stellen uns vor eine große Herausforderung. Was Kommunen, Vereine, Organisationen und die vielen ehrenamtlichen Helfer in den letzten Monaten geleistet haben, ist in meinen Augen beachtlich. Und es tut gut zu sehen, mit wie viel Engagement die Bürger in dieser schwierigen Situation den Menschen in Not helfen. Wir haben das große Glück, dass wir seit 70 Jahren ein Leben in Frieden und Freiheit leben dürfen. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, spüren wir in diesen Tagen mehr denn je. Die grausamen Anschläge von Paris haben einmal mehr gezeigt, dass wir in Europa für unsere Werte der Freiheit, Gleichheit und Demokratie einstehen. Wir stehen zusammen und werden diese Werte verteidigen. Wir lassen nicht zu, dass die furchtbaren Terrorattentate zum Nähr-
boden für fremdenfeindliches Gedankengut werden. Dieser Verantwortung sollten wir uns in Deutschland wegen unserer Geschichte besonders bewusst sein.

Ich wünsche uns allen, dass wir in der Weihnachtszeit die Ruhe finden, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Für mich zählt besonders das Gebot der Nächstenliebe. Ich bin dankbar und glücklich, dass wir ein Leben in Frieden und Wohlstand leben dürfen. Lassen wir uns dieses Glückes bewusst werden und neue Kraft schöpfen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Von Herzen wünsche ich ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2016.