Entschließung des EU-Parlaments zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die Jugend und auf den Sport

Die Krise aufgrund der COVID-19-Pandemie wirkt sich auf viele Aspekte unseres Lebens aus. Unsere junge Generation und der Sportsektor gehören sicherlich zu den am stärksten betroffenen Bereichen. Die anhaltende Pandemie trifft junge Menschen unverhältnismäßig stark. Sie stehen vor der Herausforderung, ihre Ausbildung fortzusetzen, in den Arbeitsmarkt einzutreten und ihr soziales und wirtschaftliches Leben aufrechtzuerhalten. Im Sport hat die monatelange Absage aller Veranstaltungen und die Wiedereröffnung der Stadien unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu enormen finanziellen Spannungen bei Verbänden und Sportveranstaltern geführt und den Breitensport für fast ein Jahr nahezu komplett zum Erliegen gebracht. Dies ist ein unwiderruflicher Verlust für kleinere Vereine und die soziale und gesellschaftliche Funktion des Sports.

Im Hinblick auf die Auswirkungen der Pandemie auf den Jugendbereich sowie auf den Sport und davon abhängige Sektoren und Industrien haben wir im Kultur- und Bildungsausschuss eine Entschließung erarbeitet. Als Berichterstatterin für die EVP-Fraktion war ich an diesen Arbeiten maßgeblich beteiligt. Diese Woche stand die Entschließung nun zur Abstimmung im Plenum.

Was die Jugend betrifft, so bewertet diese Entschließung die vielfältigen Schäden, die die derzeitige Pandemie für die Jugend Europas in Bezug auf den Zugang zu Bildung, Jugendaktivitäten und die Teilnahme junger Menschen am sozialen und wirtschaftlichen Leben verursacht. Die Resolution schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, um den katastrophalen Auswirkungen der Pandemie zu begegnen. Insbesondere wird eine stärkere finanzielle Unterstützung für die am stärksten Gefährdeten und eine größere Flexibilität der Bildungssysteme in der gesamten EU gefordert. Als EU-Parlament fordern wir die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, alle verfügbaren EU-Programme und Finanzmittel zu mobilisieren, um den digitalen Wandel und die Modernisierung der Bildungssysteme zu bewältigen, aber auch, um junge Menschen bei ihrer sozialen und beruflichen Integration in diesen schwierigen Zeiten zu begleiten.

So gibt es derzeit hunderttausende von Studenten, deren Teilzeitarbeitsverträge gekündigt wurden und die nicht genug Mittel haben, um grundlegende Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Sie haben den Glauben an ihre Ausbildung verloren. Statt in Verwaltungs- oder Hilfsjobs zu arbeiten, stehen die Studenten in Paris und anderen Universitätsstädten nun für Lebensmittelspenden Schlange. Die EVP-Fraktion fordert eine sofortige und direkte Hilfe für die Jugend. Ich halte es für besonders wichtig, dass die Mitgliedsstaaten jetzt handeln und maßgeschneiderte Programme für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen für Studenten und junge Menschen vorlegen. Die Europäische Kommission muss schnell alle verfügbaren Finanzmittel mit direktem Fokus auf die Jugend mobilisieren, wie die Jugendgarantie und Erasmus+, um dieser Tragödie ein Ende zu setzen.

Die psychologischen Auswirkungen der Schließungen und die harten wirtschaftlichen Bedingungen sind ein weiteres Problem, mit dem junge Menschen umgehen müssen. Nur eine flächendeckende Verfügbarkeit von maßgeschneiderten psychischen Gesundheitsdiensten und psychosozialer Unterstützung innerhalb von Ausbildungs- und Bildungseinrichtungen kann eine langfristige Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit unserer jungen Generation vermeiden. Die öffentliche Finanzierung zur Unterstützung dieser Dienste ist dabei von entscheidender Bedeutung. Wir fordern die Mitgliedstaaten daher auf, finanzielle Mittel, einschließlich derer, die sie im Rahmen der EU-Finanzierung erhalten werden, für die Verbesserung der psychischen Gesundheit unserer angeschlagenen Jugend einzusetzen.

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation haben mehr als 20 % der Jugendlichen weltweit Probleme, ihre Unterkunft zu bezahlen, und das Einkommen von fast der Hälfte der Studenten ist seit Beginn der COVID-19-Krise gesunken. Diejenigen, die mit dieser harten wirtschaftlichen Realität konfrontiert sind, haben ein doppelt so hohes Risiko, von Angstzuständen oder Depressionen betroffen zu sein.

Der zweite Teil der Entschließung befasst sich mit den verheerenden Folgen, die die Pandemie nach wie vor sowohl für den Profi- als auch für den Breitensport hat. Wir müssen uns darauf konzentrieren, den Schaden für den Sportsektor zu mindern, nicht nur in Bezug auf Wirtschaft und Beschäftigung, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes. Wir müssen uns die zahlreichen Vorteile des Sports für die Gesellschaft in Bezug auf die öffentliche Gesundheit, die soziale Eingliederung, die Integration und den Zusammenhalt bewusstmachen. Um eine dauerhafte Schädigung des Sektors zu vermeiden, ist erhebliche Unterstützung erforderlich.

Die Kommission und die Mitgliedstaaten müssen die verfügbaren EU-Programme nutzen und darüber hinaus den vollen Zugang des Sports zum EU-Aufbaufonds, zum Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, zum Kohäsionsfonds, zum Europäischen Sozialfonds Plus und zu EU4Health sicherstellen. Außerdem brauchen wir eine gründliche Bewertung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und einen europäischen Ansatz zur Bewältigung der mittel- und langfristigen Herausforderungen. Dies muss einen strukturierten und systematischen Austausch bewährter Praktiken zwischen den Mitgliedstaaten sowie einen verstärkten Dialog und eine Zusammenarbeit mit den Betroffenen beinhalten.

Als EU-Parlament fordern wir die Kommission auf, alle Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen der COVID-19-Pandemie für den Sport in einem eigenen EU-Aktionsplan zu koordinieren. Die allgemeinen Wiederaufbauinstrumente, die von der EU als Reaktion auf die Krise angenommen wurden, müssen dazu beitragen, auch den Sportsektor kurzfristig zu unterstützen. Die Kommission sollte zudem alle Möglichkeiten prüfen, um zusätzliche gezielte Unterstützung für den Breitensport, den Amateur- und den Profisport zu leisten.

>> Hier finden Sie meinen Redebeitrag aus dem Plenum zur Entschließung.