BREXIT

Zeitleiste

  • Februar 2020: Das EU-Parlament hat im Februar-Plenum die Entschließung zu den künftigen Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich angenommen. Die EU sollte eine umfassende Partnerschaft mit Großbritannien anstreben, wirtschaftlich sowie sicherheitspolitisch. Wir haben viele gemeinsame Interessen. Als EVP-Fraktion sind wir der Ansicht, dass Großbritannien durch den Austritt aus der Europäischen Union die Vorteile der EU-Mitgliedschaft verloren hat und keine zukünftige Partnerschaft in der Lage sein wird, dies vollständig auszugleichen. Eine gute Kooperation ist wichtig, es darf aber keine Rosinenpickerei geben! Um vom Zugang zum EU-Markt zu profitieren, muss das Vereinigte Königreich die EU-Regeln respektieren. Die Tiefe unserer zukünftigen Zusammenarbeit wird vom Vereinigten Königreich abhängen: Je mehr es bereit ist, unter den von der EU akzeptierten Standards zu kooperieren, desto enger kann die Zusammenarbeit sein. Jedes künftige Abkommen wird der Zustimmung des Europäischen Parlaments unterliegen. Zum Hintergrund: EU-Chefunterhändler Barnier will ein umfassendes Freihandelsabkommen ohne Zölle oder Quoten erreichen. Er hat dazu am 3. Februar einen Vorschlag vorgelegt. Auch Dienstleistungen sollen so barrierefrei wie möglich angeboten werden können. Die Bedingungen dafür sollen faire und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen sein sowie der gegenseitige Fischerei-Zugang in den Hoheitsgewässern. Es soll einen gemischten Ausschuss zur Konfliktbeilegung sowie ein neutrales Schiedsgericht geben. In einer ersten Reaktion sagte der britische Regierungschef Boris Johnson, dass auch er für ein Freihandelsabkommen eintritt, aber keine Übernahme von EU-Standards bei Wettbewerb, Soziales oder Umwelt möchte. Eine Einigung bis zum Jahresende, wenn die Übergangsfrist für Großbritannien endet, ist fraglich.
  • 31. Januar 2020: Das Vereinigte Königreich verläst die EU. Ab dem 1. Februar besteht unsere Europäische Gemeinschaft damit leider nur noch aus 27 Mitgliedstaaten. Jetzt geht es um einen Neubeginn. Das Vereinigte Königreich 🇬🇧 und die EU 27 🇪🇺 werden eine ambitionierte Partnerschaft anstreben, die auf gemeinsamen Werten, Überzeugungen und einer tiefen Freundschaft gründet. Gleichzeitig müssen wir unseren eigenen Weg weiter beschreiten und daran arbeiten, die EU effektiver, handlungsfähiger und bürgernäher zu machen.
  • Januar 2020: Das EU-Parlament legt als Volksvertretung größten Wert darauf, dass auch nach dem Brexit am 31. Januar die Rechte der Bürgerinnen und Bürger garantiert sind. Das gilt sowohl für die Rechte der EU-Bürger in Großbritannien als auch für die der britischen Staatsbürger in der EU-27. Für die Verhandlungen über ein Abkommen zu den künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien gilt, dass die Personenfreizügigkeit eine Grundbedingung für den britischen Zugang zum EU-Binnenmarkt darstellt. Zum Hintergrund: Bis zum 31. Dezember 2020 bleibt Großbritannien noch im EU-Binnenmarkt und zahlt in die gemeinsame Kasse ein. Für die Zeit danach müssen die Beziehungen zwischen Brüssel und London neu geregelt werden. Die Zeit drängt, denn einem Abkommen müssen neben dem britischen Unterhaus auch alle nationalen Parlamente der EU-Mitgliedstaaten sowie das Europaparlament zustimmen.
  • Oktober 2019: Die Beratungen zum britischen EU-Austritt ziehen sich weiter in die Länge. Nach der Verschiebung der Abstimmung über das Brexit-Abkommen im britischen Unterhaus am Samstag kam der bereits eingereichte Antrag aus London zum Tragen, die geltende Frist für den Austritt zum 31. Oktober auf den 31. Januar des kommenden Jahres zu verschieben. Nun beraten die EU-27, ob und wie sie der Fristverlängerung zustimmen wollen. Die allgemeine Erwartung ist, dass es eine Fristverlängerung geben wird angesichts der Tatsache, dass ein geregelter Austritt Ende des Monats mittlerweile unmöglich ist. Offen ist derzeit, wie lange die Frist laufen soll. Über eine neue Austrittsfrist wird heute in Brüssel beraten. Die Regierung in London muss sich jetzt entscheiden, ob sie das laufende Ratifizierungsverfahren des Austrittsabkommens mit der EU über den 31. Oktober hinaus fortführen will. Dann wäre es eine technische Verlängerung der Austrittsfrist. Sofern sich eine grundlegend neue Lage ergibt, etwa weil Neuwahlen angesetzt werden, müsste die längere Frist bis zum 31. Januar in Betracht gezogen werden. Was vermieden werden muss, ist ein ungeregelter ‘No-Deal Brexit’. Der Schaden für beide Seiten wäre bei diesem Szenario unverantwortlich hoch.
  • 18. September 2019: Die EU-Abgeordneten haben im Plenum erneut über den Stand der Brexit-Verhandlungen diskutiert. Die Grundsätze der EVP-Fraktion sind klar: Wir werden unsere Interessen, unsere Bürger und unsere Werte schützen. Während wir uns auf das Worst-Case-Szenario eines Brexits ohne Abkommen vorbereiten, sind wir weiterhin bereit und geschlossen, gemeinsam mit Großbritannien Lösungen zu finden. Ein No-Deal-Austritt würde die Chancen auf ein künftiges Abkommen EU-Großbritannien enorm verschlechtern. Eine Fristverlängerung kann es jedoch nur geben, wenn sich die Lage in Großbritannien tatsächlich neu sortiert. Nach einer Phase erratischer und sehr konfrontativer Regierungspolitik in London bleibt nun abzuwarten, was von Großbritannien kommt. Bis zum EU-Gipfel Mitte Oktober muss das weitere Prozedere geklärt sein. Zum Hintergrund: Das Europaparlament steht einem möglichen Antrag auf Fristverlängerung von britischer Seite positiv gegenüber, solange dies gut begründet ist. Dafür in Frage kommen Neuwahlen, ein Referendum, die Rücknahme des Artikel-50-Antrags oder die Ratifizierung des Austrittsabkommens. Die drei Schwerpunktthemen des Austrittsabkommens – die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens, die Rechte der EU-Bürger und der britischen Bürger, sowie die Vermeidung einer harten Grenze in Irland – sind auch die Vorbedingungen für ein späteres Handelsabkommen EU-Großbritannien. Dieses muss nicht nur vom Europaparlament, sondern auch von allen nationalen Parlamenten ratifiziert werden. Für den Fall eines No-Deal-Brexit wird das Europaparlament keinem späteren Abkommen Großbritanniens mit der EU zustimmen, solange nicht die britische ‚Schlussrechnung‘ bezahlt ist.
  • März 2019: Beide Seiten müssen jetzt die Nerven behalten. Niemand kann ein Interesse daran haben, dass es einen britischen Austritt ohne Abkommen gibt. Die negativen Folgen für Menschen und Wirtschaft wären immens, vor allem für Großbritannien. Deshalb muss eine kurze Verlängerung der Brexit-Frist ins Auge gefasst werden. Ende Mai allerdings muss Schluss sein, denn eine Teilnahme der Briten an der Europawahl würde ein Chaos anrichten, das in der EU niemand brauchen kann.Zum Hintergrund: Das Austrittsabkommen der EU mit Großbritannien ist bereits zwei Mal im britischen Unterhaus durchgefallen. Nun hat die britische Regierung um eine Verlängerung der Frist von 29. März bis Ende Juni gebeten. Es wird erwartet, dass die EU-Staats- und Regierungschefs nur eine kurze Fristverlängerung billigen. Sollte das Austrittsabkommen kommende Woche im britischen Unterhaus erneut scheitern, wird ein EU-Sondergipfel für Mitte der Woche erwartet.
  • Herbst 2018: Zur Vorbereitung auf den Brexit hat die Kommission Informationen über rechtliche Konsequenzen für 21 Bereiche veröffentlicht. Anlass ist die Annahme, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Vereinbarung immer weniger auszuschließen ist. Falls die Verhandlungen scheitern, würden zum 30. März 2019 sämtliche EU-Normen nicht mehr für das Vereinigte Königreich gelten. Es herrscht daher Unsicherheit über die Folgen des Brexits, sowohl für EU-Bürger, die nach Großbritannien reisen, dort leben oder arbeiten möchten, als auch für europäische Unternehmen, die auf dem britischen Markt aktiv sind. Vor diesem Hintergrund hat die Kommission einen eigenen englischsprachigen Webauftritt eingerichtet, der nun schrittweise auch auf Deutsch verfügbar ist. Die jetzt veröffentlichten Hinweise betreffen folgende Bereiche: Vergabe öffentlicher Aufträge, Berufsqualifikationen, Datenschutz, Gesellschaftsrecht, Ziviljustiz, Verbraucherschutz und Fluggastrechte, Kraftverkehr, Verbringung lebender Tiere, elektronischer Geschäftsverkehr. Das Scheitern der Brexitverhandlungen würde natürlich auch im Verkehrsbereich gravierende Folgen haben. Das zeigt eine vom Parlament in Auftrag gegebene Studie über die möglichen Auswirkungen und Konsequenzen eines „No-deal“-Szenarios. Dabei geht es insbesondere um neue Zoll-, und Genehmigungsverfahren sowie um Gesundheits-, Veterinär- und Sicherheitskontrollen an der Grenze von und nach England. Mit einer speziell die zollrechtlichen Folgen betreffenden Abhandlung befasst sich eine im Juli 2017 vorgelegte Studie der Westfälischen Hochschule.

     

  • 17. Oktober 2018: Die Staats- und Regierungschefs der EU-27 beraten über den Stand der Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich. Sie sprechen Michel Barnier erneut ihr Vertrauen aus und stellen fest, dass es trotz intensiver Verhandlungen nicht genügend Fortschritte gibt.
  • 16. Oktober 2018: Der Chefunterhändler der Kommission für den Brexit, Michel Barnier, informiert die im EU-27-Format versammelten Ratsmitglieder über die jüngsten Gespräche mit dem Vereinigten Königreich. Michel Barnier erklärt auf der Tagung, dass trotz intensiver Verhandlungsbemühungen einige Kernfragen immer noch offen sind, insbesondere die “Backstop”-Lösung zur Vermeidung einer harten Grenze zwischen Irland und Nordirland.
  • 20. Juli 2018: Rat „Allgemeine Angelegenheiten“: EU27 besprechen die Punkte, die vor Fertigstellung des Austrittsabkommens noch zu regeln sind. Hierzu zählen die Frage der irischen Grenze sowie die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Es soll eine politische Erklärung über die zukünftigen Beziehungen dem Austrittsabkommen beigefügt werden.
  • 12. Juli 2018: UK stellt Strategiepapier für künftige Beziehungen zur EU vor; Freihandelszone für Waren, Einhaltung von europäischen Regelungen und Produktstandards, bei Dienstleistungen eingeschränkter Zugang zum Binnenmarkt (Banken und Versicherungen), weiterhin gegen Zuwanderung von EU-Bürgern, Zölle will UK selbst festsetzen, Vorschlag über Assoziierungsabkommen.
  • 29. Juni 2018: Tagung Europäischer Rat: nimmt Schlussfolgerungen zu den erzielten Fortschritten an. Die EU-27 sind besorgt, weil noch immer keine wesentlichen Fortschritte im Hinblick auf eine Einigung über eine “Backstop”-Lösung für Irland/Nordirland erzielt worden sind.
  • 19. Juni 2018: Gemeinsame Erklärung von EU-Kommission und UK über die seit März 2018 erzielten Fortschritte: Vorankommen in Bereichen wie Zoll, Mehrwertsteuer, Euratom und Warenbescheinigungen, erhebliche Meinungsverschiedenheiten beim Protokoll über Irland/Nordirland.
  • 14. Mai 2018: Tagung des Rates „Allgemeine Angelegenheiten“: Geringe Fortschritte in den jüngsten Runden, was die Frage der Grenze auf der irischen Insel betrifft, betonen die Minister der EU-27, dass bis zur Tagung des Europäischen Rates im Juni Fortschritte erzielt werden müssen.
  • 22./23. März 2018: Die Staats- und Regierungschefs der verbleibenden 27 EU-Staaten verabschiedeten bei ihrem Gipfel “Leitlinien” für die künftigen Beziehungen zum Vereinigten Königreich nach dem Brexit.
  • 19. März 2018: Teilweise Einigung zwischen den Unterhändlern der EU und des Vereinigten Königreichs über den Wortlaut des Austrittsabkommens. Eine erste Fassung des Austrittsabkommen wird vorgelegt. Was die Grenze zwischen Nordirland und Irland angeht, so haben sich die Unterhändler darauf verständigt, dass eine rechtswirksame Version der sogenannten “Backstop”-Option im Rahmen des Rechtstexts des Austrittsabkommens vereinbart werden soll. Diese Option wird mit der im Gemeinsamen Bericht vom Dezember 2017 vereinbarten Lösung im Einklang stehen und nur in Kraft treten, wenn und solange keine andere Lösung gefunden wird.
  • 14. März 2018: Gemeinsam mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Brexit-Verhandlungsführer Michel Barnier debattierten wir im Plenum des EU-Parlaments über einen möglichen Rahmen für die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. In einer Entschließung hat sich die Mehrheit der Abgeordneten für ein Assoziierungsabkommen mit dem Vereinigten Königreich ausgesprochen. Solch ein Abkommen könnte auf vier Säulen beruhen: Handels- und Wirtschaftsbeziehungen (Freihandelsabkommen), Innere Sicherheit, Zusammenarbeit in der Außen- und Verteidigungspolitik und eine Zusammenarbeit, z. B. bei grenzüberschreitenden Forschungs- und Innovationsprojekten. Derweil haben die Brexit-Verhandlungen eine kritische Phase erreicht. Wesentliche Fragen zu den Bürgerrechten bleiben weiter ungelöst, ähnliches gilt für die künftige Grenze zu Nordirland. Am weitesten gehen die Vorstellungen beider Parteien allerdings im Bereich der Handelsbeziehungen auseinander. Während die EU für ein Freihandelsabkommen ohne Sonderregeln plädiert, schwebt den Verantwortlichen in London ein Zugang zum Binnenmarkt, aber nur in einzelnen Bereichen vor. Wir wollen eine enge Zusammenarbeit in vielen Bereichen aufrechterhalten, was von beiderseitigem Interesse sein sollte. Wir müssen aber auch klarstellen, dass selbst eng verbundene Drittstaaten keinesfalls die gleichen Vorteile genießen oder gar günstiger behandelt werden können wie Mitgliedstaaten. Die Integrität des Binnenmarktes muss gewahrt werden. Das Europaparlament hat klar Position bezogen. Nun liegt es an den EU-Staats- und Regierungschefs, kommende Woche entsprechende Leitlinien für die Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich festzulegen. Auch was das Regelwerk für die Übergangsphase angeht, die am 31. Dezember 2020 enden soll. Noch fehlt es jedenfalls an einer soliden Grundlage, um bereits im Herbst dieses Jahres über einen Austrittsvertrag abzustimmen. Dieser bedarf, ebenso wie ein mögliches Assoziierungsabkommen, der Zustimmung des EU-Parlaments.
  • 2. März 2018: Grundsatzrede von Theresa May “Rote Linien”: May erklärt, ein neues Handelsabkommen müsse „fünf Tests“ bestehen, bevor sie es unterzeichnen könne: 1. Großbritannien muss Kontrolle über seine Finanzen, Gesetze und Grenzen haben. 2. Das Abkommen muss nachhaltig sein. 3. Der Deal muss Arbeitsplätze sichern. 4. Er muss britische Werte wie Weltoffenheit und Verlässlichkeit transportieren. 5. Er muss das Vereinigte Königreich zusammenhalten.
  • Februar 2018 – Die Europäische Kommission hat am 28.02.2018 einen Vertragsentwurf für das geordnete Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU vorgelegt. Dem Entwurf liegen die Ergebnisse der ersten Verhandlungsphase in Form der Berichte seitens der EU und dem Vereinigten Königreich aus Dezember 2017 zugrunde. Bzgl. der Nordirland-Frage schlug EU-Chefunterhändler Barnier vor, dass das britische Nordirland auch nach dem Austrittstermin März 2019 in einem “gemeinsamen regulatorischen Raum” in Zollunion und teilweise im Binnenmarkt der EU bleiben könnte.

  • Januar 2018 – Die 27 Mitgliedstaaten beschließen neue, die Übergangsphase betreffende Verhandlungsrichtlinien. Während dieser Phase soll europäisches Recht weiterhin in vollem Umfang im Vereinigten Königreich gelten. Zeitgleich wird das Vereinigte Königreich jedoch bereits Drittland-Status erhalten und, infolgedessen, über kein Stimmrecht mehr im EU-Gesetzgebungsverfahren verfügen.

  • Dezember 2017 – Die Staats- und Regierungschefs bewerten erneut die Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen und bestätigen, dass in Bezug auf Themen wie Rechte der Bürgerinnen und Bürger, Irland und finanzielle Verpflichtungen ausreichende Fortschritte erzielt worden sind. Nach Anhörung des Chefunterhändlers der Kommission Michel Barnier verabschieden die Staats- und Regierungschefs Leitlinien für die Einleitung der zweiten Phase der Brexit-Verhandlungen.

  • November 2017 – Sechste Verhandlungsrunde: Weiterhin keine Einigung über Scheidungsmodalitäten, insbesondere Grenze zwischen Irland und Nordirland ist ein Streitpunkt.
  • Oktober 2017 – Fünfte Verhandlungsrunde: Es wurden bislang keine großen Fortschritte bei den Kernpunkten erzielt.
  • September 2017 – Vierte Verhandlungsrunde
  • August 2017 – Dritte Verhandlungsrunde
  • Juli 2017 – Zweite Verhandlungsrunde
  • Juni 2017 – Erste Verhandlungsrunde: Die Rechte der Bürgerinnen und Bürger, finanzielle Regelungen und Irland – das sind die Hauptthemen, welche im Rahmen der Verhandlungen besprochen werden sollen.
  • Juni 2017 – May nimmt Regierungsauftrag an: Mit der Democratic Unionist Party (DUP) bekommen die Konservativen die nötige Mehrheit knapp zusammen.
  • Juni 2017 – May verliert die absolute Mehrheit: Die Tories werden bei der Unterhauswahl im Vereinigten Königreich zwar stärkste Kraft, aber die Labour-Partei unter Jeremy Corbyn holt fulminant auf.
  • Juni 2017 – Neuwahlen in Großbritannien: May kündigte vorgezogene Parlamentswahlen an, um mehr Rückhalt für ihren Kurs aus der EU auszutreten zu bekommen.
  • Mai 2017 – EU erteilt Mandat für die Verhandlungen zum Brexit: Michel Barnier, ehemaliger EU-Binnenmarktkommissar, erhielt nun mit den vom EU-Rat beschlossenen Richtlinien den offiziellen Auftrag für die Austrittsverhandlungen.
  • April 2017 – Erster EU-Gipfel ohne Großbritannien: Die 27 Staats- und Regierungschefs kommen erstmals zu einem formellen EU-Gipfel ohne britische Beteiligung zusammen, um die Leitlinien für die Brexit-Verhandlungen zu beschließen.
  • März 2017 – Großbritannien beantragt gemäß Artikel 50 EU-Vertrag offiziell den Austritt aus der EU: Damit beginnt offiziell die zweijährige Austrittsfrist.Während der bevorstehenden zwei Jahren wird der Scheidungsvertrag ausgehandelt. Erst wenn die Austrittsmodalitäten geregelt sind, wird über ein neues Abkommen verhandelt.

  • Juli 2017 – Theresa May wird neue Premierministerin, zuvor Rücktritt von David Camerons zieht seine Nachfolgerin in die Downing Street Nr. 10 ein, um das Brexit-Erbe anzutreten.

  • Juni 2016 – Briten stimmen mit einer knappen Mehrheit von 51,9 % für den Brexit: Mit einer knappen Mehrheit von rund 52 Prozent haben die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens den Austritt aus der Europäischen Union besiegelt. Die Jugend entschied sich mehrheitlich für den Verbleib, während die ältere Generation für den Austritt gestimmt hat.

 

Was sind die Kernpunkte für uns als EVP-Fraktion?

Drei Kernpunkte sind uns als EVP-Fraktion besonders wichtig:
1. EU-Bürgerinnen und -Bürger: Die Situation der 3,2 Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger soll so schnell wie möglich geklärt werden. Dies gilt auch umgekehrt für die 1,2 Millionen Briten, die in der EU leben.
2. Finanzielle Verbindlichkeiten: Wir brauchen eine Antwort auf die Frage nach der Begleichung der noch offenen Rechnungen, die sich aus der EU-Mitgliedschaft ergeben, einschließlich der Zusagen für den aktuellen EU-Finanzrahmen, der bis 2020 läuft. Großbritannien muss seine finanziellen Zusagen gegenüber der EU einhalten!
3. Keine Sonderrechte: Schließlich wird es keine Sonderrechte für Großbritannien bei einzelnen Sektoren des EU-Binnenmarkts wie etwa Finanzdienstleistungen geben.

Welche Verhandlungspunkte spielen eine Rolle?

Wichtige Verhandlungspunkte neben den Rechten der EU-Bürgerinnen und -Bürgern und den ausstehenden finanziellen Verbindlichkeiten des Königreichs, sind der Zugang zum europäischen Binnenmarkt sowie die Personenfreizügigkeit. Für mich als Europaabgeordnete stehen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger an erster Stelle. Die Rechte der Arbeitnehmer, Pensionäre und Studenten müssen gewährleistet werden. So muss die Situation in Großbritannien lebenden EU-Bürgerinnen und -Bürger so schnell wie möglich geklärt werden. Dies gilt auch umgekehrt für die Briten, die in der EU leben. Darüber hinaus lehne ich jede Art von Rosinenpickerei oder punktuellen Wirtschaftsbeziehungen auf der Grundlage sektorspezifischer Vereinbarungen ab. Die vier Freiheiten des Binnenmarktes – freier Warenverkehr, Kapitalverkehr, Dienstleistungsverkehr und Personenverkehr sind unteilbar! Eine einseitige Sonderbehandlung für das Vereinigte Königreich, die den freien Personenverkehr begrenzen könnte, wird es nicht geben. Wenn wir von diesem Prinzip abrücken, macht in der EU bald jeder was er will.

Was sind die Auswirkungen eines Brexits?

Studie über die Auswirkungen des Brexits auf die EU-Bürgerinnen und -Bürger: https://www.sabine-verheyen.de/wp-content/uploads/2017/05/Impact-of-Brexit-on-EU-citizens-May-2017.pdf. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wird nach aktuellem Stand auch zu einem „Austritt“ aus dem EU-Binnenmarkt. Der EU-Binnenmarkt – als Herzstück der Gemeinschaft – wird sich in der Folge anpassen müssen. Klar ist auch, dass ein Verlust des britischen Zugangs zum Binnenmarkt negative Effekte für beide Seiten – die EU27 und das Vereinigte Königreich – mit sich bringt. Dem Vereinigten Königreich ginge der ungehinderte Zugang zu einem Markt mit knapp 450 Millionen Menschen verloren. Die EU-27 sind der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Vereinigten Königreichs. Im Jahr 2015 gingen ca. 44 % aller Exporte in die übrigen 27 Mitgliedstaaten. Bei den Importen spielten die EU-27 mit ca. 54 % eine noch größere Rolle. Es wird geschätzt, dass ca. 3,3 Millionen Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich vom Export in die EU-27 abhängen. Die überwiegende Zahl der Studien misst einen deutlich negativen Effekt für das Vereinigte Königreich. Die Studien gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Verluste durch den Anstieg der Handelskosten zur EU-27 nicht durch den Rückgang der Nettozahlungen in den EU-Haushalt kompensiert werden können.
Auch Deutschland unterhält enge Handelsbeziehungen mit den Briten. Mit einem Volumen von ca. 86 Mrd. € im Jahr 2016 liegt das VK bei Deutschlands Ausfuhren an dritter Stelle der Bestimmungsländer. Bei den Einfuhren landet das Vereinigte Königreich mit einem Volumen von ca. 35 Mrd. € an elfter Stelle. Deutschland erwirtschaftet seinen größten bilateralen Außenhandelsüberschuss mit dem Vereinigten Königreich gefolgt von den USA und Frankreich. Der Exporteffekt könnte jedoch durch gegenläufige Entwicklungen, wie z. B. Verlagerung von Firmen und Direktinvestitionen aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland, abgefedert werden.