Tierwohl: Vom Parkplatzverkauf zur Rückverfolgbarkeit – Europa schärft nach
Ein Welpe wird über eine Onlineanzeige verkauft, abgeholt auf einem Parkplatz, wenige Wochen alt. Papiere gibt es, aber sie sagen wenig aus. Wo das Tier gezüchtet wurde, unter welchen Bedingungen es aufgewachsen ist, wie der Transport organisiert war – vieles bleibt offen.
Solche Fälle sind kein Einzelfall. Oft werden sie zu früh von den Muttertieren getrennt, unter Bedingungen gehalten, die sich von außen kaum überprüfen lassen, und über weite Strecken transportiert. Wer dahintersteht, lässt sich häufig nur schwer ermitteln.
Der Markt für Hunde und Katzen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Der Onlinehandel hat ihn verändert – schneller, anonymer, grenzüberschreitend. Genau diese Struktur nutzen illegale Anbieter gezielt aus.
Damit wird eine Lücke deutlich, die lange bestanden hat. Unterschiedliche nationale Regelungen, die nicht ineinandergreifen, haben es bislang ermöglicht, Verantwortung zu verschleiern.
In dieser Plenarwoche hat das Europäische Parlament deshalb über neue europäische Vorgaben abgestimmt. Im Kern geht es um zwei Punkte: einheitliche Mindeststandards für Zucht, Haltung und Transport – und eine Rückverfolgbarkeit, die diesen Namen auch verdient.
Künftig sollen Hunde und Katzen EU-weit eindeutig identifizierbar sein. Das geschieht über verpflichtendes Microchipping und die Registrierung in miteinander vernetzten Datenbanken. Was bisher national organisiert und oft nicht kompatibel war, wird verbunden. Damit lässt sich feststellen, wo ein Tier herkommt und wer dafür verantwortlich ist.
Auch bei der Zucht werden Grenzen gesetzt. Inzucht zwischen nahen Verwandten wird untersagt. Zuchtformen, die auf extreme Merkmale abzielen und gesundheitliche Probleme in Kauf nehmen, werden eingeschränkt. Praktiken, die Tieren Schmerzen zufügen, sollen nicht länger zulässig sein.
Für Transport und Einfuhr gelten künftig strengere Vorgaben. Tiere müssen identifizierbar sein, ihre Wege werden dokumentiert. Das erschwert es, sie anonym über Grenzen hinweg weiterzugeben.
In den Verhandlungen ging es dabei bewusst um Maß und Ziel. Die neuen Standards richten sich an diejenigen, die Tiere züchten und mit ihrem Verkauf Geld verdienen. Für private Halterinnen und Halter sowie kleinere Betriebe gelten Übergangsfristen und Ausnahmen. Genau hier lag ein zentraler Punkt: klare Grenzen dort, wo Tiere gezüchtet und verkauft werden – ohne zusätzliche Belastungen für diejenigen, die verantwortungsvoll mit Tieren umgehen.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, wie weit europäische Rahmenbedingungen reichen sollen. Entscheidend ist, dass sie dort ansetzen, wo Tiere in den Markt gelangen und gehandelt werden – nicht im Alltag privater Halterinnen und Halter.
