Mercosur: Schutzklauseln im Mittelpunkt
Mercosur steht seit Jahren für alles zugleich: für Hoffnung auf neue Märkte, für Sorgen um faire Wettbewerbsbedingungen, für Grundsatzfragen zu Handel, Klima und Landwirtschaft. Kaum ein Handelsabkommen bündelt so viel Zustimmung, Skepsis und Empörung auf einmal. In dieser Woche richtete sich der Blick des Europäischen Parlaments auf einen zentralen Punkt dieser Debatte: die Schutzklauseln.
Sie sind entscheidend dafür, wie konkret Europa reagieren kann, wenn sich Handelsströme spürbar auf einzelne Märkte auswirken. Schutzklauseln legen fest, unter welchen Bedingungen Zollvergünstigungen ausgesetzt werden können, wenn Importmengen stark ansteigen oder Preise so unter Druck geraten, dass europäische Erzeuger ernsthaft beeinträchtigt werden. Diese Maßnahmen sind zeitlich begrenzt und an klar definierte Kriterien gebunden.
Gerade in der öffentlichen Diskussion entsteht häufig der Eindruck, Handelsabkommen ließen sich nach ihrer Annahme kaum noch steuern. Die Schutzklauseln setzen hier einen anderen Akzent. Sie ermöglichen ein gezieltes Eingreifen, bevor sich Marktverwerfungen verfestigen, und können bei Bedarf verlängert werden. Handel wird damit nicht ausgesetzt, sondern aktiv begleitet.
Für viele Landwirtinnen und Landwirte ist zudem ein Punkt zentral, der in der Debatte oft verkürzt dargestellt wird: Auf den europäischen Markt dürfen nur Produkte gelangen, die die geltenden EU-Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit erfüllen. Das gilt auch für Importe aus Drittstaaten. Regeln zu Hygiene, Rückständen oder verbotenen Stoffen gelten unabhängig davon, wo ein Produkt hergestellt wird. Das Mercosur-Abkommen ändert daran nichts.
Die Schutzklauseln setzen dort an, wo selbst regelkonforme Importe durch ihre Menge oder Preiswirkung Probleme verursachen können. Sie ergänzen die bestehenden Standards um ein Instrument, das auf konkrete Marktentwicklungen reagiert – insbesondere in sensiblen Bereichen wie der Landwirtschaft.
Die Schutzklauseln sind so ausgestaltet, dass sie frühzeitig angewendet werden können, wenn definierte Schwellen überschritten werden.
