Der lange Kampf gegen digitalen Hass

Jackie Fox kam in dieser Woche ins Europäische Parlament, um über ihre Tochter zu sprechen. Nicole, von allen „Coco“ genannt, nahm sich 2018 nach massiven Online-Belästigungen das Leben. Seitdem setzt sich ihre Mutter dafür ein, dass Cybermobbing und digitale Demütigungen nicht länger als bloßes Randphänomen des Internets abgetan werden. In Irland führte ihr Engagement schließlich zur Einführung von „Coco’s Law“.

Das Gesetz stellt unter anderem das Verbreiten oder Androhen der Veröffentlichung intimer Bilder ohne Einwilligung unter Strafe und richtet sich gezielt gegen schwere Formen digitaler Belästigung.

Die Geschichte von Coco zeigt, wie sehr sich Gewalt im digitalen Raum verändert hat. Angriffe finden heute häufig nicht mehr im direkten Umfeld statt, sondern können sich innerhalb weniger Stunden über Plattformen verbreiten – sichtbar für ein weltweites Publikum und für Betroffene kaum noch einzufangen.

Hinzu kommt eine Entwicklung, die viele Frauen besonders betrifft. Mithilfe Künstlicher Intelligenz lassen sich heute täuschend echte Deepfake-Bilder erzeugen, häufig auf Grundlage ganz gewöhnlicher Fotos aus sozialen Netzwerken. Solche manipulierten Inhalte können sich rasant verbreiten und für die Betroffenen erhebliche persönliche, berufliche und gesellschaftliche Folgen haben.

Für die Betroffenen macht es dabei keinen Unterschied, ob ein Bild authentisch oder künstlich erzeugt ist. Entscheidend ist, dass ihre Würde verletzt wird, ihr Ruf Schaden nimmt und ihr persönliches Sicherheitsgefühl erschüttert wird.

Auf europäischer Ebene existieren inzwischen mehrere rechtliche Instrumente, um gegen solche Inhalte vorzugehen. Der Digital Services Act, der AI Act sowie neue europäische Vorschriften zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen schaffen einen rechtlichen Rahmen für den Schutz Betroffener.

Die entscheidende Frage ist deshalb weniger, ob Regeln existieren – sondern ob sie konsequent angewendet werden und digitale Plattformen ihrer Verantwortung gerecht werden.

Der Schutz vor digitaler Gewalt ist damit längst auch eine europäische Aufgabe geworden – von klaren Regeln für Plattformen bis zum verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz.

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